Buchbesprechung: Astronomie in Theorie und Praxis

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Cover des Buches. Das Bildcover wurde mir vom Erik Wischnewski freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Im Astronomieforum astrotreff.de bin ich auf ein sehr interessantes Fachbuch zum Thema Astronomie gestoßen. Zwar hat mich der Preis von 79,95 € schon länger abgeschreckt, weil ich bei einem ähnlichen Buch vom Pearsonverlag eine sehr schlechte Erfahrung gemacht habe und bitter enttäuscht wurde. Der Verfasser Dr. Erik Wischnewski legt nun im Selbstverlag eine 7. Auflage auf. Daher verkaufte der Autor seine Restbestände der 6. Auflage zum Selbstkostenpreis. Dieses möchte ich nun besprechen.

Erster haptischer Eindruck

Ich habe dieses Werk bei einem großen Internetversandhaus die sechste Auflage beim Autor für ca. 23 € erworben. Das Buch besitzt 1072 Seiten und ist ganze 3,2 kg schwer. Der Einband wirkt sehr wertig und die Papierqualität ist außerordentlich gut. Das Layout des Covers hingegen wirkt ein bisschen altbacken. Das Textlayout hingegen ist sehr gut, allerdings finde ich persönlich die Schriftgröße ein bisschen zu groß.

Gesamtbewertung: 4,5/5 Punkten

Inhalt

Viel wichtiger als das Layout ist natürlich der Inhalt. Das Buch behandelt beinahe jedes Thema der Astronomie in insgesamt 49 Kapitel, welche auf 6 Teile aufgeteilt werden:

  • Beobachtungsinstrumente
  • Astronomische Grundlagen
  • Sonnensystem
  • Aufbau der Sterne
  • Entwicklung der Sterne
  • Unsere Galaxie
  • Extragalaktischer Kosmos

Bereits jetzt merkt man, für welche Zielgruppe dieses Buches ist. Es wird jeder angesprochen der sich für Astronomie interessiert, dem Verfasser gelingt den Spagat zwischen populärwissenschaftlichen und wissenschaftlichen Anspruch außerordentlich gut.  Jeder wird seine Informationen finden, von einem Hobbyastronom der gerne den Himmel beobachtet bis zum Programmierer der eine Software für die Planetenbewegung entwickeln möchte. Einsteiger merken schnell: Astronomie ist kein einfaches Hobby.

Bewertung: 4,5/5 Punkten

Bewertung ausgewählter Kapitel

Mehrere Kapitel möchte ich gerne etwas eingehender diskutieren. Es handelt sich um das Kapitel 25 bis 27: Planeten und Kometenbahnen sowie Bahnbestimmung und Ephemeridenrechnung, da ich mich persönlich neben der Kosmologie gerne mit der Himmelsmechanik beschäftige. Es ist kein einfacher Bereich innerhalb der Astronomie, aber dem Verfasser gelingt es, den Leser abzuholen. Von den Grundlagen für die weiteren Überlegungen (Ellipse) über die Fallstricke bei der Lösung der Keplergleichung  bis hin zum zur Berechnung der Rektaszension und Deklination von einzelnen Planeten wird alles schön beschrieben.  Was hier dennoch negativ aufgefallen ist, es gibt kein klares dreidimensionales Bild der Bahnelemente (Was sind die Bahnelemente, aufsteigender und absteigender Knoten, Inklinationswinkel usw.). Auch die Berechnungsgänge sind manchmal etwas umständlich. Auch die Herleitungen der Keplergleichungen fehlen leider.

Ich persönlich hätte die Matrizenschreibweise bevorzugt (ich weiß, bei meinen Beiträgen zur Himmelsmechanik hier im Blog habe ich es auch nur teilweise umgesetzt, und bin zu faul das zu ändern weil ich die Formeln in \LaTeX gesetzt habe und gerade meine Masterarbeit schreibe 🙂 Auch die Fallunterscheidungen, welche bei den Tangenswinkel sich ergeben wäre ich auf den Arcustanges mit zwei Lageparametern (\arctan2(y,x)) zumindest als Alternative eingegangen, denn da entfallen die Fallunterscheidungen. Alle Probleme die diskutiert werden sind Zweikörperprobleme. Allerdings geht der Verfasser auch auf das Mehrkörperproblem (Lösungen nur in den Lagrangepunkten) ein. Man darf aber keine komplette Einführung in die Himmelsmechanik erwarten. Das soll auch nicht der Anspruch dieses Buches sein.

Negativ finde ich zudem die Wahl der gewählten Programmiersprache TurboPascal für die Beispiele. Aber auch das ist Geschmackssache. C, C++  oder Matlab (bzw. SciLab) wäre meiner Meinung geeigneter gewesen.

Bewertung: 4/5 Punkten

Fazit

Manchmal ist für das Verstehen einzelner Kapitel mathematische Kenntnisse (Integral- und Differentialrechnung, Vektoren und Matrizen) sowie physikalische Grundkenntnisse zwingend erforderlich. Ich persönlich finde das sehr gut, denn hier macht das Buch weiter, wo andere aufhören. Es geht ins Detail und daher ist es sehr wertvoll und hebt sich aus der Masse der deutschsprachigen Astronomieliteratur deutlich heraus. Es werden alle Zielgruppen angesprochen. Wenn man sich eingehender mit einer bestimmten Thematik (z.B. Himmelsmechanik oder auch die Zeitgleichung) auseinandersetzten will, ist der Griff zu einem speziellen Fachbuch dennoch unumgänglich. Dieses Werk wird mich nun eine sehr lange Zeit begleiten und mir hoffentlich viel Freude  bereiten und mir beim Vorbereiten von zukünftigen Blogeinträgen wertvolle Tipps geben können.

Gesamtbewertung: 4,25 / 5 Punkten
klare Kaufempfehlung

Links

Homepage des Verfassers
Youtube-Kanal des Verfassers

2 Responses to Buchbesprechung: Astronomie in Theorie und Praxis

  1. Marcel sagt:

    Wirklich tolle Buchbesprechung zu einem meiner Lieblingsthemen! Nach deinem Satz „Manchmal ist für das Verstehen einzelner Kapitel mathematische Kenntnisse (Integral- und Differentialrechnung, Vektoren und Matrizen) sowie physikalische Grundkenntnisse zwingend erforderlich.“ war mir sofort klar, dass dieses Buch mit ganz oben auf meiner nächsten Einkaufsliste steht, danke dafür! 🙂

    • Daniel Daniel sagt:

      Hallo Marcel,

      vielen Dank 🙂 Ich war auch von diesem Werk positiv überrascht, daher hatte ich mich spontan zu dieser Buchbesprechung entschieden.

      Gruß und CS,
      Daniel

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